Zur Vereinbarkeit von Lobbying und Corporate Social Responsibility
Public Affairs und Lobbying finden oftmals losgelöst von den schönen Worten statt, mit denen ein Unternehmen seine Corporate Social Responsibility (CSR) formuliert. Anlässlich der Amsterdam Global Conference on Sustainability and Transparency der Global Reporting Initiative präsentierte das Centre for Research on Multinational Corporations, vertreten durch Bart Slob und Francis Weyzig, ein interessantes Papier zum Thema. Leider gibt es „The lack of consistency between corporate lobbying and CSR policies“ nur als Powerpoint online.Aus diesem Grund möchte ich einige schöne Beispiele für Diskrepanzen zwischen Lobbying und CSR hier schildern.
- Der Ölmulti Shell wandte sich 2003 gegen die „UN Norms on the Responsibilities of Transnational Corporations and Other Business Enterprises with Regard to Human Rights“ mit der Begründung, dass man Unternehmen nicht auf die Einhaltung von Menschenrechten verpflichten könne. Gleichzeitig behauptete Shell, die Menschenrechte zu achten, so dass die Un-Norm nur geringen Wert habe.
- Die Financial Leaders Group betrieb Lobbying für die Liberalisierung von Finanzdienstleistungen. Dies hat laut Kritikern dazu geführt, dass Arme in Ländern, in denen westliche Konzerne das Finanzsystem zunehmend dominierten, nur noch geringen Zugang zu diesen Dienstleistungen hatten. Dies steht im Widerspruch zur CSR-Politik vieler Banken und Versicherungen, die einen Zugang für alle postuliert.
- Die amerikanische Handelskammer in Schanghai und der US-China Business Council und damit die namhaftesten amerikanischen Unternehmen betrieben Lobbying gegen eine Reform des chinesischen Arbeitsrechts. Diese sah für Beschäftigte ohne Arbeitsvertrag vor, dass für diese automatisch ein Standard-Vertrag mit minimalen rechten gilt. Lobbying gegen dieses Gesetz widerspricht jeder CSR-Strategie.
- ExxonMobil finanzierte jahrelang Forschung und Thinktanks, die den Klimawandel bestritten. Im Oktober 2006 wandten sich zwei US-Senatoren an den Vorstand des Unternehmens und baten darum, diese Aktivitäten einzustellen, da die von Exxon finanzierten Ergebnisse Eingang in die Politik der US-Regierung gefunden und dadurch das Ansehen der USA in der Welt beschädigt habe.
- Die US-Agrarlobby befürwortet im Rahmen internationaler Hilfseinsätze zum Beispiel nach Naturkatastrophen die Lieferung von Nahrungsmitteln aus den USA in die betroffenen Länder. Diese Naturalienlieferungen beschädigen den Agrarmarkt des Empfängerlandes zum Teil sehr nachhaltig.
Übrigens gibt es für Unternehmen eine Möglichkeit, Lobbying-Aktivitäten im Rahmen der Global Reporting Initiative in ihre Nachhaltigkeitsberichte aufzunehmen:
Indikator S05 – Politische Positionen, politische Einflussnahme und Lobbying
Indikator S06 – Summe der Beiträge zu politischen Parteien, Politikern und Institutionen pro Land
Bei so viel Transparenz sollten etwaige Diskrepanzen zwischen Lobbying und CSR spätestens bei der Lektüre des Nachhaltigkeitsberichtes auffallen.
Thomas.Zimmerling - 21. Mai, 07:45
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