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in Europa

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Was ohne Registrierung läuft

geldEs ist keine Frage: In Europa laufen Lobbykampagnen mit einem Millionenetat ab, ohne dass die Akteure oder ihre Budgets im entsprechenden Lobbyregister der Europäischen Union auftauchen würden. Jüngstes, vom Corporate Europe Observatory aufgedecktes, Beispiel ist eine Kampagne gegen mehr Regulierung auf den Finanzmärkten. Sie wird von Hedgefonds und ihrem Verband AIMA gemeinsam mit der PA-Agentur Finsbury geführt. Das Budget soll eine Million Euro betragen. Keiner der genannten Akteure hat sich im EU-Lobbyregister eingetragen; folglich taucht auch die Kampagne dort nicht auf.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

They always come back

NachdeSachverhaltm die EU den Industrieverband Cefic wegen Verstößen gegen den Verhaltenskodex des Lobbyregisters für zwei Monate ausgeschlossen hatte, ist die Organisation nunmehr wieder zurück. Das - fälschlicherweise - angegebene Budget von 50.000 Euro wurde auf 4 Millionen Euro korrigiert. Laut Lobbycontrol sind das 10% des Gesamtbudgets der Cefic. Schwer zu sagen, ob der neue Betrag nun alle Lobbyaktivitäten vollständig abdeckt oder nicht. Es bleibt zu hoffen, dass der Fall Cefic anderen Organisationen als mahnendes Vorbild dient.

Mittwoch, 30. September 2009

Wie AT&T die Netzneutralität torpediert

klicker5086Im Gegensatz zu den USA wird es den Telekomkonzernen in Europa zukünftig möglich sein, das Gebot der Netzneutralität zu umschiffen. Fixiert ist dies im Telekom-Paket der EU, in dem der einschlägige Paragraph 21 (3) fast wortwörtlich einem AT&T Vorschlag entspricht. Das Telekom-Paket entstand während der tschechischen Ratspräsidentschaft in der Telecom Working Group unter Vorsitz von Filip Svab. Der Tscheche hat jüngst bekannt gegeben, dass er als External Affairs Director für Zentral- und Osteuropa zu AT&T geht. Damit dürfte sicher gestellt sein, dass bei den weiteren Verhandlungen und der Umsetzung des Telekom-Pakets die Interessen von AT&T auch weiterhin vertreten werden. Es wird wirklich Zeit, dass solche Drehtüren von der Politik in die Wirtschaft effektiv reguliert werden.

Donnerstag, 17. September 2009

Patienten- oder Pharmaverband?

farbraum_007Patientenorganisationen sind so eine Sache. Heutzutage tauschen sich Menschen mit einem bestimmten Krankheitsbild eher in Foren aus, als einen Verein oder Verband zu gründen. Es stellt sich unwillkürlich die Frage, wer hinter den unzähligen Patientenorganisationen wirklich steht. Für einige der europäischen Organisationen ist das nun geklärt: Pfizer, GlaxoSmithKline, Novartis und Merck tragen maßgeblich zur Finanzierung einiger der wichtigsten Verbände bei. Bei der International Alliance of Patients Organizations (IAPO) stammen 97% der Einnahmen von Pharmafirmen, beim European Patient's Forum (EPF) sind es immerhin noch 88%. Bei einer Stichprobe des Corporate Europe Observatory waren 7 von 27 Organisationen beim EU-Lobbyregister verzeichnet. Die IAPO beispielsweise fehlt. Das EPF hingegen ist registriert, legt aber die Finanzierung nicht offen. Das ist bis dato nicht notwendig. Vielleicht sollte die EU das ändern, um zu wissen, mit wem sie am Tisch sitzt.

Mittwoch, 16. September 2009

European Communication Monitor 2009

KriseSeit letzter Woche liegen die Ergebnisse des European Communication Monitor 2009 vor. In diesem Jahr haben 1.850 Kommunikationsspezialisten aus 34 Ländern teilgenommen. Die interessantesten Ergebnisse möchte ich an dieser Stelle gerne vorstellen.
73% der PR-Verantwortlichen werden vom gehobenen Management ernst genommen,
64% an der Entscheidungsfindung im Unternehmen beteiligt. Befragt nach den wichtigsten Kommunikationsfeldern heute und in 2012, platzierten die Befragten die Krisenkommunikation auf Rang drei, PA und Lobbying auf 5 (heute). In 2012 kommt Krisenkommunikation in den Top 5 nicht mehr vor, PA und Lobbying bleibt auf Rang fünf. Für 2012 erwarten die Studienteilnehmer zudem eine wachsende Bedeutung von Online Kommunikation, Online Medien und Social Media. Mittlerweile sind 85% aller europäischen Kommunikationsspezialisten Mitglied von Xing, LinkedIn oder vergleichbaren Plattformen. In punkto Kommunikationscontrolling werden überwiegend immer noch nur Clippings gezählt. Aktives Reputationsmanagement findet kaum statt. Alle Ergebnisse sind detailliert nachzulesen in einem hundertseitigen pdf.

Montag, 7. September 2009

Viel zu tun im Lobbying

DarkSowohl auf die neue EU-Kommission als auch die neue Bundesregierung kommt viel Arbeit bei der Regulierung des Lobbyings zu. In Deutschland gibt es noch immer kein verpflichtendes Lobbyregister und wie man bei Lobbycontrol nachlesen kann, funktioniert die Verwaltungsvorschrift zur Regulierung des Einsatzes externer Mitarbeiter in Ministerien auch nicht. Zwar sind seit letztem Jahr 100 Angehörige externer Unternehmen und Verbände ausgeschieden, aber in punkto Transparenz und Vollständigkeit der entsprechenden Berichte gibt es immer noch Nachbesserungsbedarf.
Auf europäischer Ebene sind Think Tanks und Anwaltskanzleien noch nicht im Lobbyregister enthalten. Kürzlich habe ich sogar gelesen, dass die Registrierungsmuffel sogar noch an Ausschreibungen der EU teilnehmen dürfen und Gelder bekommen. 17 der 20 größten Empfänger sind nicht registriert. Das muss die neue Kommission schleunigst ändern, schließlich erhalten die Dienstleister nicht nur einen gut dotierten Auftrag, sondern auch Zugang zu Insidern innerhalb der EU und ihrem Wissen.

Dienstag, 28. Juli 2009

Friends of the Earth gegen Cefic

aktenkofferNachdem Friends of the Earth sich skeptisch über das im EU-Lobbyregister angegebene Budget des Industrieverbands der Europäischen Chemie-Industrie (Cefic) geäußert hatte, schloss die EU diesen nun aus der Kartei aus. Cefic hatte im Lobbyregister ein Budget von 50.000 Euro pro Jahr angegeben, während es tatsächlich 37,9 Millionen Euro waren. Damit hat die Cefic gegen den Verhaltenskodex des EU-Lobbyregisters verstoßen. Der Ausschluss für die Dauer von zwei Monaten hat außer dem Schaden für die Reputation keine Auswirkungen auf die Arbeit der Cefic. Der Pressesprecher von Cefic reagierte weder auf Mails noch Anrufe der berichtenden Presse (Wien), noch auf eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter.

Freitag, 26. Juni 2009

Ergebnis der Kampagne von ALTER-EU zur Europawahl

socialDie Kampagne von ALTER-EU zur Europawahl ist beendet. Sie sollte Bürger dazu bewegen, ihre Kandidaten aufzufordern, sich nach der Wahl für verbindliche Regeln im Lobbying einzusetzen. Dazu gehören:
  • ein verpflichtendes Lobbyistenregister
  • Regeln gegen mögliche Interessenkonflikte von EU-Abgeordneten
  • eine transparente und ausgewogene Besetzung der EU-Expertengruppen
Von den 381 Kandidaten, die ins EU-Parlament wollten und sich zu den ALTER-EU Forderungen bekannt haben, sind 73 auch gewählt worden.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Bilanz: Ein Jahr EU-Lobbyregister

LobbyistNach einem Jahr ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Das freiwillige Lobbyregister der EU hat nicht die von vielen Beobachtern erhoffte Akzeptanz gebracht. Das ist das Ergebnis einer Studie von ALTER-EU. Nur ein gutes Fünftel (593) aller in Brüssel tätigen Lobbyorganisationen hat sich eingetragen. Die veröffentlichten Informationen sind zudem oftmals unzureichend, weil lückenhaft oder untertrieben. Vor allem große Lobbyfirmen, Anwaltskanzleien und Think Tanks fehlen ganz oder teilweise. Von den Mitgliedern der Lobbyverbände SEAP und EPACA haben sich 34% bzw. 58% der Mitgleider registriert. Für die ECPA liegen keine Daten vor. ALTER-EU hat in der Studie eine ganze Reihe von bedenkenswerten Verbesserungsvorschlägen gemacht.

Montag, 18. Mai 2009

Kampagne von ALTER-EU zur Europawahl

socialDie europäische Allianz für Lobby-Transparenz und ethische Regeln (ALTER-EU) hat eine Kampagne zur Europawahl Anfang Juni gestartet. Die Kampagne soll Bürger dazu bewegen, ihre Kandidaten aufzufordern, sich nach der Wahl für verbindliche Regeln im Lobbying einzusetzen. Dazu gehören:
  • ein verpflichtendes Lobbyistenregister
  • Regeln gegen mögliche Interessenkonflikte von EU-Abgeordneten
  • eine transparente und ausgewogene Besetzung der EU-Expertengruppen
Teilnehmer können ihre Kandidaten über die Website und ein entsprechendes E-Mail-Formular direkt anschreiben. Auf der Kampagnenseite wird zu sehen sein, welcher Kandidat sich mit seiner Unterschrift zu den ALTER-EU Forderungen bekannt hat.