Rezensionen

Dienstag, 29. April 2008

Rezension: Die Strippenzieherinnen – Welche Frauen stehen im Hintergrund? Von Judith Kleinemeyer & Sandra Busch-Janser (Hrsg.), polisphere library, 2008

StrippenzieherinnenEines vorweg: Die Strippenzieherinnen waren eines der besten Bücher, das ich seit einiger Zeit gelesen habe. Das hängt sicher mit der Auswahl der unterschiedlichen Autorinnen zusammen, die auf knapp 200 Seiten aus ihren Karrieren in Politik, Public Affairs und Lobbying erzählen. So begegnet der Leser unter anderem Claudia Kemfert vom DIW oder Cornelia Yzer vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller.
Schon der Klappentext macht neugierig, und der Untertitel ist nicht ohne Ironie. Wie in der Einleitung festgestellt, ist ohne Zweifel gesichert, dass Frauen trotz ihrer numerischen Überlegenheit, besserer Schulabschlüsse und häufigerer Beendigung des Studiums in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und weniger Gehalt bekommen. Eine Autorin meint, dass angesichts dieser Voraussetzungen in Zukunft eine Männerquote im Beruf notwendig werden könnte.
Es folgen vier Abschnitte zu wissenschaftlicher Politikberatung, wirtschaftlicher Interessenvertretung, gemeinnützigem Lobbying sowie Netzwerken und Hintergrundkreisen. Jeder einzelne Abschnitt beginnt dann mit einer grundlegenden Skizze der Branche; jeder Beitrag mit einem Autorinnenportrait. Sehr erfrischend sind die unterschiedlichen Schreibstile und die von zwei Autorinnen gewählte Interview-Form. Die Beiträge lesen sich sehr gut, sind abwechslungsreich, teilweise lustig, sehr persönlich und ab und an selbstironisch. Naturgemäß erfährt man mehr über die Erfolge der Autorinnen als über ihre Niederlagen, was dem Buch jedoch keinen Abbruch tut. Die wichtigste inhaltliche Erkenntnis für mich: Frauennetzwerke sind out. Selbst eine Organisation wie das Netzwerk Victress legt auf gemischte Zirkel für den Gedankenaustausch wert.

Disclaimer: Ich habe eine Chefin.

Montag, 31. März 2008

Rezension: Clausewitz – Strategie denken, Strategieinstitut der Boston Consulting Group (Hrsg.), dtv 2006

51ZFWK7ED0L-_SS500_Momentan erarbeiten wir in unserer Abteilung Unternehmenskommunikation gerade eine Strategie für die nächsten Jahre. Dazu ziehen wir uns drei Mal für jeweils einen Tag ins Kloster zurück. Naja, eigentlich ist es ein Exerzitienhaus. Beim ersten Mal haben wir einen kleinen Band geschenkt bekommen, der sich mit Clauswitz’ Denken beschäftigt und als Anregung für den Strategieprozess gedacht war. Das Buch ist eine gekürzte und kommentierte Fassung von Clauswitz’ Hauptwerk „Vom Kriege“. Wer nicht die Zeit hat, dieses komplett zu lesen, trifft mit Clausewitz – Strategie denken eine gute Wahl. Für Kommunikationsprofis ist es eh unverzichtbar, sich mit Clausewitz’ Denken zu beschäftigen. Für den Public Affairs Manager oder Krisenkommunikator gilt dies umso mehr. Schließlich handelt dieser oft in einer Situation der Unsicherheit – dem Schlüsselphänomen bei Clausewitz. Schließlich geht es im Krieg wie in der Krise darum, handlungsfähig zu bleiben, selbst wenn ein Mangel an Informationen herrscht.
Trotz aller Kürze enthält das Buch noch das äußerst bemerkenswerte Vorwort von Clausewitz’ Frau, die aus ihrem tief empfundenen Gefühl für ihren verstorbenen Mann dessen Werk letztlich veröffentlichte.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Rezension: Karriereguide Public Affairs, Florian Busch-Janser und Marie Pötter (Hrsg.), BJP Edition, 2007

Karriereguide-PAEigentlich wollte ich den Karriereguide Public Affairs über Weihnachten lesen. Nach knapp zwei Dritteln war der Textteil jedoch fertig und es folgten nützliche Links, Literaturhinweise und Adressen von PA-Agenturen. So war ich mit der Lektüre schon vor Weihnachten durch. Das kleine Büchlein ist anlässlich des von Busch-Janser Personalmanagement organisierten Karrieretags Public Affairs erschienen. Verschiedene Autoren schildern recht anschaulich den Zugang zum Berufsfeld Public Affairs sowie den Arbeitsalltag. Einige wichtige Autoren, wie Marco Althaus vom Deutschen Institut für Public Affairs oder Dominik Meier von der degepol habe ich ein wenig vermisst. An die Aufsätze schließt eine Zusammenfassung der Personalstudie Public Affairs von 2005 an. Wenn man bedenkt, dass für 2007 eine Neuauflage geplant ist / war, finde ich es schade, dass mit der Veröffentlichung nicht auf die neuesten Daten gewartet wurde. Die Aufsätze sind allesamt gut geschrieben und recht erhellend. Für den Insider wird es zwar nur wenig Neues geben, Berufsanfänger können sich jedoch ein umfassendes Bild machen. Was ein wenig stört ist die Werbung auf dem Umschlag und im Anhang. Aber irgendwie muss ein solches Buch ja auch finanziert werden, wenn es von einer Personalagentur in Eigenregie verlegt wird.

Montag, 20. August 2007

Rezension: Online-PR im Web 2.0, Thomas Pleil (Hrsg.), UVK, 2007

PR20Noch druckfrisch ist das neueste Werk von Thomas Pleil, Professor an der Hochschule in Darmstadt: Online-PR im Web 2.0. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste kürzere beinhaltet das Vorwort sowie eine Einführung von Pleil zum Thema Online-PR; im zweiten längeren Teil fassen Pleils Studenten eigene Fallstudien aus Wirtschaft und Politik, unter anderem BMW, Siemens, Walther Saftkellerei, Angela Merkel, zusammen. Bereits die Einführung überzeugt durch eine klare und ausgewogene Darstellung der Trends in der Online-PR. Dabei bringt Thomas Pleil Ordnung ins scheinbare Chaos des Web 2.0. Das Buch ist wissenschaftliche Literatur, hat Stärken aber gerade da, wo eigene Gedanken formuliert werden, und die Autoren wenig oder gar nicht zitieren. Dies trifft vor allem auf die Einführung zu.
Die Auswahl der Fallbeispiele überzeugt dadurch, dass dem Hype um das Web 2.0 die Spitze genommen wird. Die Autoren verzichten auf die Analyse und Besprechung von Fallbeispielen, wo Berater oder Firmen Produkte und Dienstleistungen rund ums Web 2.0 verkaufen wollen und sich für ihre Selbstdarstellung der entsprechenden Instrumente wie Blogs u.ä. bedienen. An die einzelnen Fallbeispiele wurde qualitativ herangegangen; eine Bewertung überlassen die Autoren vielfach entsprechenden Experten. Fast alle Texte beinhalten Grafiken oder Screenshots sowie eine umfangreiche Linkliste am Ende des Beitrags. Die Qualität der einzelnen Texte variiert naturgemäß von Verfasser zu Verfasser, wobei ich der zweiten Auflage wünschen würde, dass Doppelungen in einzelnen Artikeln sowie Sätze mit verwirrender Wortreihenfolge herausgenommen werden. Alles in allem ein empfehlenswertes und lehrreiches Buch.

Freitag, 27. Juli 2007

Rezension: My Balanced Scorecard, Herwig R. Friedag / Walter Schmidt, Haufe, 2004

My_Balanced_ScorecardWer das System der Balanced Scorecard (BSC) im Unternehmen einführen will, ist mit dem Werk von Friedag und Schmidt gut bedient. Es ist nicht zu theoretisch, sondern für den Praktiker geschrieben. Sehr viel Wert legen die Autoren auf die Feststellung, dass die BSC nicht nur ein Kennzahlensystem ist, sondern in eine übergeordnete Strategie eingebettet und gelebt werden muss. Während diese Forderung unmittelbar einleuchtet, ist die Unterscheidung zwischen Führungs- und Berichts-Scorecard oder strategischen und operativen Kennzahlen nur schwer nachvollziehbar.
Zur Bedeutung der Balanced Scorecard und ihre Nutzung als Public Affairs Scorecard habe ich in diesem Blog bereits einen Beitrag verfasst, von daher möchte ich auf die Grundsätze nicht mehr eingehen. Es ist jedoch so, dass der Kommunikationsfachmann auch in „My Balanced Scorecard“ nicht unbedingt die Anleitung für die Erstellung einer auf Kommunikation fokussierten BSC erwarten darf. Die von den Autoren genannten Beispiele umfassen vielmehr das komplette Unternehmen und nicht nur einzelne Funktionsbereiche. Das Problem, für PR oder PA Kennzahlen zu finden, bleibt auch nach Lektüre und Sichtung der dem Buch beigelegten CD bestehen. Zwar sind in der Tat 400 Kennzahlen angeführt; sie gelten jedoch eher für die klassischen Unternehmensbereiche. Die anschaulichen Grafiken des Buches sind alle auch auf der CD zu finden, die darüber hinaus Werkzeuge zur Erstellung einer BSC beinhaltet. Der Leser merkt den Autoren die Begeisterung für das Konzept der BSC an, was „My Balanced Scorecard“ extrem lesenswert macht.

Donnerstag, 21. Juni 2007

Rezension: Interne Unternehmenskommunikation, Siegfried Schick, Schäffer Poeschel, 2007

Siegfried Schick gehört zu den Experten für interne Kommunikation schlechthin. Nicht umsonst geht sein Werk “Interne Unternehmenskommunikation – Strategien entwickeln, Strukturen schaffen, Prozesse steuern” mittlerweile in die dritte Auflage. Das Buch hält, was der Untertitel verspricht. Als ich mich das erste Mal mit der Erarbeitung einer Strategie für die interne Unternehmenskommunikation befasst habe, war Schicks Buch unsere Bibel. Mehr Klebezettel habe ich noch nirgends auf 200 Seiten untergebracht. Überzeugt hat mich vor allem, dass betriebswirtschaftlich erprobte Instrumente, wie beispielsweise die Balanced Scorecard, für die Umsetzung von Maßnahmen der internen Kommunikation nutzbar gemacht wurden. Uneingeschränkt empfehlenswert!

http://www.amazon.de/Unternehmenskommunikation-Strategien-entwickeln-Strukturen-schaffen/dp/3791026291/ref=sr_1_1/302-3720565-3362442?ie=UTF8&s=books&qid=1182411574&sr=1-1

Dienstag, 19. Juni 2007

Rezension: Unsere Kommunikation der Zukunft, Robert Scobel / Shel Israel, Verlag Finanzbuch, 2007

Scobels und Israels Buch "Unsere Kommunikation der Zukunft" handelt vom Blogging, auch wenn dies erst im Untertitel deutlich wird. Es ist ein typisch amerikanisches Buch, das wohl fix ins Deutsche übersetzt wurde. Wer sich fragt, ob Blogs für ihn das Richtige sind, wird hier eine Menge positiver Argumente finden. Das Buch ist geschrieben von zwei Urgesteinen des Bloggings und beinhaltet deshalb auch die eine oder andere Anekdote. Im Kapitel "Wie man es richtig macht" stehen Tipps für effektives Blogging. Alles in allem ein gelungenes, flott geschriebenes Buch, das den Leser eher über Begeisterung als über harte Fakten ans Bloggen bringen will. Zumindest bei mir hatten die beiden Autoren Erfolg...

http://www.amazon.de/gp/product//3898792579/ref=cm_rv_thx_view/028-9258871-1082920

Rezension: Handlexikon Public Affairs, Marco Althaus, LIT-Verlag, 2005

Die Herausgeber des Handlexikons Public Affairs konnten namhafte Autoren für ihr Projekt gewinnen. Diese geben einen aktuellen Überblick zum Thema Public Affairs. Das Lexikon ist in fünf übersichtliche Abschnitte gegliedert, unter denen in kurzen Texten die Fachbegriffe erläutert werden. Literaturhinweise laden zur Vertiefung ein. Eine Reihe von Schaubildern gewährleistet den Praxisbezug. Das Handbuch eignet sich vor allem für Public Affairs Beauftragte, die sich im politischen Bereich bewegen (Wahlkämpfe, etc.). Durch ein sorgfältigeres Schlusslektorat hätte der Verlag sicher den ein oder anderen Rechtschreibfehler vermeiden können. Diese mindern jedoch nicht die inhaltliche Qualität der Beiträge.

http://www.amazon.de/gp/product//382588144X/ref=cm_aya_asin.title/028-9258871-1082920

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