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Rezensionen

Montag, 26. Januar 2009

Rezension: LobbyPlanet Berlin. Von Heidi Klein und Ulrich Müller, Lobbycontrol, 2008

Cover_LobbyPlanet-Berlin_webNachdem Lobbycontrol bereits einen Reiseführer für Brüssel herausgegeben hat, folgte letzten Monat der Reiseführer durch den Lobbydschungel Berlin. Wie der Titel des handlichen Büchleins in Westentaschenformat schon sagt, handelt es sich nicht nur um einen Städteführer, sondern um ein Werk mit politischen Forderungen. Dies wird vor allem in Einleitung und Schluss deutlich. Lobbycontrol will mehr Demokratie und Transparenz im Lobbyismus und deshalb ein verbindliches und aussagekräftiges Lobbyistenregister, einen kritischen Umgang mit Astroturfing und Greenwashing sowie das Ende von fliegenden Wechseln zwischen Politik und Lobbying einschließlich des Phänomens der Leihbeamten. All diesen Forderungen kann man sich anschließen, muss es aber nicht, um als politisch interessierter Reisender Berlin hautnah kennen zu lernen. Das Zitat, dass „Lobbying prinzipiell nicht öffentlichkeitsfähig“ sei, wird nicht belegt, und ich würde dem so auch nicht zustimmen. Wozu gibt es die Richtlinien der Global Reporting Initiative zur Darstellung von Lobbyingaktivitäten in Geschäfts- oder Nachhaltigkeitsberichten?
Die Autoren stellen zwei unterschiedliche Routen durch das politische Berlin vor. Jeweils eine Übersichtskarte zeigt die Laufwege und 55 Stationen. Für meinen Geschmack wäre hier eine größere Zahl von Straßennamen hilfreich. Die Routen können variiert und kombiniert werden, und die Verfasser lassen auch den Hinweis auf Buslinien für fußmüde Reisende nicht aus. Zu den Stationen gehören politische Institutionen wie die Staatsorgane, PR- und PA-Agenturen, Unternehmens- und Verbandsrepräsentanzen, Botschaften, Restaurants, Anwaltskanzleien und Think Tanks. Allesamt werden steckbriefartig und sehr anschaulich mit ihren aktuellen Mitarbeiterzahlen, Budgets und Verantwortlichen sowie Lobbyingaktivitäten vorgestellt (soweit recherchierbar). Aufgelockert wird der LobbyPlanet Berlin durch Textkästen zu speziellen Themen sowie gut gewählten Karikaturen. Das Buch ist gut geschrieben und bietet auch für den Profi noch erstaunliche Einblicke ins Lobbying, beispielsweise wenn Verbindungen zwischen Akteuren angesprochen werden, die eigentlich gegensätzliche Interessen vertreten.

Montag, 19. Januar 2009

Rezension: Praxishandbuch Lobbying. Von Christoph Vondenhoff und Sandra Busch-Janser, BJP Edition, 2008.

Praxishandbuch-LobbyingDie Autoren des Praxishandbuchs Lobbying machen gleich im Vorwort deutlich, dass ihr Buch keinem wissenschaftlichen Anspruch genügen soll – obwohl die beiden Verfasser das sehr wohl leisten könnten. Und so gibt ihr Werk sehr gelungen die Anforderungen an Lobbyisten und die Vielfalt ihres Tätigkeitsspektrums wieder. Das Praxishandbuch Lobbying erschöpft sich jedoch nicht in der Darstellung der Themen Monitoring, Issues Management, Networking, Eventmanagement, Recht und Medien, sondern gibt auch gleich noch in Knigge-Manier Tipps für den richtigen zwischenmenschlichen Umgang. Auch wenn Krisenmanagement, Grassroots Lobbying und Internet von den Autoren nur kurz behandelt werden, sind sie trotzdem adäquat in die thematische Struktur eingeordnet. Der Nutzwert des Buches wird durch Literaturhinweise, eine Fallstudie und Weblinks weiter unterstrichen.
Das Praxishandbuch kommt übersichtlich gegliedert daher: Es gibt eine Verschlagwortung an den Seitenrändern, viele Aufzählungen und im Anhang ein Lobbylexikon (Glossar). Dass einmal eine Tabelle für mich unauffindbar gewesen ist, liegt vielleicht daran, dass ich nicht die gebundene, sondern die Paperback-Version zur Besprechung verwendet habe.
Neben der deutschen Situation im Lobbying kommt auch die europäische Perspektive nicht zu kurz. Die Autoren gehen in einer kurzen Übersicht auf die Rechtsetzung national wie supranational ein. Alles in allem ist das Praxishandbuch Lobbying damit eine abwechslungsreiche und durchaus nützliche Lektüre.

Donnerstag, 15. Januar 2009

Rezension: Kampagne! 3. Von Marco Althaus (Hrsg.), LIT-Verlag, 2007

Kampagne3Es gibt Bücher, bei denen man sich auch noch auf den dritten Band einer Reihe freut. Kampagne! 3 von Marco Althaus gehört in diese Kategorie. Den ersten Kampagnenband habe ich noch während meines Studiums regelrecht verschlungen und mit den beiden Nachfolgern ging es mir später ganz genauso. Alle drei Bücher beschäftigen sich mit der Kommunikation in Wahlkämpfen oder Kampagnen und geben den neuesten Stand in Theorie und vor allem Praxis wieder. Das aktuellste Althaus-Werk beschäftigt sich mit neuen Strategien im Grassroots Lobbying für Unternehmen und Verbände. Ich bin sicher, dass das Thema Grasswurzeln im Lobbying zukünftig eine immer größere Rolle spielen wird. Das hängt mit der Authentizität von Kommunikation aber auch den Entwicklungen des Web 2.0 zusammen. Grassroots Lobbying ist Lobbying 2.0. Aber kommen wir zum eigentlichen Buch.
Schon das Vorwort macht neugierig auf den Inhalt. Marco Althaus gibt auf 150 Seiten eine Einführung zum Thema, die sich unter anderem damit beschäftigt, wie eine Grassroots Lobbying Kampagne aufgebaut sein kann und wie Astroturfing vermieden wird. Schließlich hat es Folgen für die Legitimation des Lobbyings, wenn es nicht konventionell im Hinterzimmer, sondern für alle sichtbar als öffentliche Kampagne geschieht. Althaus stellt darüber hinaus Planspiele zur Übung von Grassroots Lobbying vor und druckt eine Reihe von Screenshots aus der Praxis ab. Auf weiteren 300 Seiten kommt das eigentliche Herzstück von Kampagne! 3 daher. Neun Fallstudien zeigen, wie Grassroots Lobbying in der Praxis (nicht) funktioniert. Da Grassroots Lobbying in den USA bereits seit 50 Jahren existiert, stammen die meisten Beispiele auch aus Nordamerika. Aber es wird auch eine schon seit Jahren erfolgreiche Grassroots Lobbying Kampagne aus Deutschland vorgestellt. Die Fallstudien machen die Lektüre inhaltlich spannend und abwechslungsreich. Der einzige Schwachpunkt ist das Lektorat. Dies ist mir bei Büchern aus dem LIT-Verlag schon des Öfteren aufgefallen und zieht selbst gute Inhalte in Mitleidenschaft.
Wer sich Grassroots Lobbying Seiten im Internet ansehen möchte, kann hier klicken:

Donnerstag, 6. November 2008

Rezension: Karrierefalle Internet. Von Klaus Eck, Hanser, 2008

KarrierefalleKarrierrefalle Internet ist ein Buch, das jeder gelesen haben sollte, der im Internet unterwegs ist. Das gilt für Reputationsmanager in eigener Sache, aber auch alle PR- und PA-Manager, die sich mit dem Online-Ruf ihrer Organisation beschäftigen. Der Autor Klaus Eck, bekannt vor allem als PR-Blogger, weiß, worüber er schreibt und er schreibt gut. Die Zeit beim Lesen vergeht wie im Flug. Auch wenn der Schwerpunkt des Buchs auf dem persönlichen Online Reputation Management liegt, ist der Nutzwert auch für Kollegen in Unternehmen, Agenturen oder Verbänden hoch. Dies liegt vor allem an den vielen Tipps, Tabellen und Checklisten, die den Textfluss auflockern. Beispiel: Bewertungsplattformen für Arbeitgeber. Sicher ein Aspekt des Web 2.0, den Unternehmen im Auge behalten sollten. Der Schwerpunkt bei Klaus Eck liegt naturgemäß aber auf dem Reputationsmanagement, wobei der Autor vom Monitoring bis zur Wiederherstellung der Reputation einen umfassenden Bogen schlägt und auch aktuelle Beispiele für das Fehlverhalten von Managern einfließen lässt. Überhaupt ist Karrierefalle Internet sehr aktuell (Finanzkrise, US-Wahlkampf, etc.).
Ein weiterer Fokus des Buchs stellt die Beziehung von Unternehmen zu Bloggern dar. Wie gehe ich ein Corporate Blog an? Wie gehe ich mit Krisen im Web 2.0 um? Wie positioniere ich meine Marke und behalte die Deutungsmacht? Ich würde mir wünschen, dass Geschäftsführung und mittleres Management möglichst vieler Unternehmen Klaus Ecks Werk lesen und verstehen, dass sie als Corporate Evangelists mehr für ihr Unternehmen tun können als viele gut gemeinte Pressemitteilungen bewirken.

Dienstag, 4. November 2008

Rezension: Strategische PR-Evaluation. Von Nanette Aimée Besson, VS Verlag für Soialwissenschaften, 2008

41q44iGroqL-_SL500_AA240_PR-Evaluation ist ein Trendthema. In Zeiten geringeren Wirtschaftswachstums wird vermutlich auch die Hoheit über die PR-Budgets eher wieder von Controllern als von Kommunikationsexperten ausgeübt. Kein Wunder also, dass die Dissertation von Nanette Aimée Besson "Strategische PR-Evaluation" 2008 bereits in einer dritten und komplett neu bearbeiteten Auflage erschienen ist. Durch die Aktualisierung ist das Buch noch immer auf der Höhe der Zeit und gibt einen vollständigen Überblick über die PR-Evaluation. Beispielsweise legt die Autorin einen der Schwerpunkte auf das Reputationsmanagement, das in der klassischen PR wie in der Krisenkommunikation in Zeiten des Web 2.0 immer wichtiger wird. Interessant zu lesen sind die Argumente für und gegen PR-Evaluation, gesehen unter dem Aspekt der Professionalisierung der PR.
Eine der Stärken des Buches von Besson besteht darin, dass unter dem hohen wissenschaftlichen Niveau der Nutzen für den Praktiker nicht leidet. Im Gegenteil: Am Ende des Hauptteils ihres Buches stellt die Verfasserin ihren Ansatz der "Performance-Analyse" dar, ein Evaluationssystem für die Qualität, Effektivität und Effizienz von PR, unterlegt mit entsprechenden Kennzahlen. Es besteht aus einem theoretischen Modell, praktischen Handlungsanweisungen (Projektmanagement) und einem methodischen Instrumentarium. Die Kennzahlen bei Besson bestehen aus Werten für die von PR erzielten Effekte (Reputation, Zielgruppen- und Medienresonanz) sowie Werten für die zuvor getätigten Investitionen in Instrumente, Prozesse und Konzeption.
Da Besson als Kommunikationsberaterin tätig ist und ihr Modell ständig einsetzt und optimiert, kann sie mit Fallbeispielen der "Performance-Analyse" aus der Praxis aufwarten. Leser, die von den vermeintlich hohen Kosten der PR-Evaluation abgeschreckt werden, überrascht Besson mit Fallbeispielen für jedes Budget. Merke: PR-Evaluation taugt für jeden, sofern sie nicht an individuellen, organisatorischen oder systemimmanenten Hindernissen scheitert.

Dienstag, 29. April 2008

Rezension: Die Strippenzieherinnen – Welche Frauen stehen im Hintergrund? Von Judith Kleinemeyer & Sandra Busch-Janser (Hrsg.), polisphere library, 2008

StrippenzieherinnenEines vorweg: Die Strippenzieherinnen waren eines der besten Bücher, das ich seit einiger Zeit gelesen habe. Das hängt sicher mit der Auswahl der unterschiedlichen Autorinnen zusammen, die auf knapp 200 Seiten aus ihren Karrieren in Politik, Public Affairs und Lobbying erzählen. So begegnet der Leser unter anderem Claudia Kemfert vom DIW oder Cornelia Yzer vom Verband Forschender Arzneimittelhersteller.
Schon der Klappentext macht neugierig, und der Untertitel ist nicht ohne Ironie. Wie in der Einleitung festgestellt, ist ohne Zweifel gesichert, dass Frauen trotz ihrer numerischen Überlegenheit, besserer Schulabschlüsse und häufigerer Beendigung des Studiums in Führungspositionen unterrepräsentiert sind und weniger Gehalt bekommen. Eine Autorin meint, dass angesichts dieser Voraussetzungen in Zukunft eine Männerquote im Beruf notwendig werden könnte.
Es folgen vier Abschnitte zu wissenschaftlicher Politikberatung, wirtschaftlicher Interessenvertretung, gemeinnützigem Lobbying sowie Netzwerken und Hintergrundkreisen. Jeder einzelne Abschnitt beginnt dann mit einer grundlegenden Skizze der Branche; jeder Beitrag mit einem Autorinnenportrait. Sehr erfrischend sind die unterschiedlichen Schreibstile und die von zwei Autorinnen gewählte Interview-Form. Die Beiträge lesen sich sehr gut, sind abwechslungsreich, teilweise lustig, sehr persönlich und ab und an selbstironisch. Naturgemäß erfährt man mehr über die Erfolge der Autorinnen als über ihre Niederlagen, was dem Buch jedoch keinen Abbruch tut. Die wichtigste inhaltliche Erkenntnis für mich: Frauennetzwerke sind out. Selbst eine Organisation wie das Netzwerk Victress legt auf gemischte Zirkel für den Gedankenaustausch wert.

Disclaimer: Ich habe eine Chefin.

Montag, 31. März 2008

Rezension: Clausewitz – Strategie denken, Strategieinstitut der Boston Consulting Group (Hrsg.), dtv 2006

51ZFWK7ED0L-_SS500_Momentan erarbeiten wir in unserer Abteilung Unternehmenskommunikation gerade eine Strategie für die nächsten Jahre. Dazu ziehen wir uns drei Mal für jeweils einen Tag ins Kloster zurück. Naja, eigentlich ist es ein Exerzitienhaus. Beim ersten Mal haben wir einen kleinen Band geschenkt bekommen, der sich mit Clauswitz’ Denken beschäftigt und als Anregung für den Strategieprozess gedacht war. Das Buch ist eine gekürzte und kommentierte Fassung von Clauswitz’ Hauptwerk „Vom Kriege“. Wer nicht die Zeit hat, dieses komplett zu lesen, trifft mit Clausewitz – Strategie denken eine gute Wahl. Für Kommunikationsprofis ist es eh unverzichtbar, sich mit Clausewitz’ Denken zu beschäftigen. Für den Public Affairs Manager oder Krisenkommunikator gilt dies umso mehr. Schließlich handelt dieser oft in einer Situation der Unsicherheit – dem Schlüsselphänomen bei Clausewitz. Schließlich geht es im Krieg wie in der Krise darum, handlungsfähig zu bleiben, selbst wenn ein Mangel an Informationen herrscht.
Trotz aller Kürze enthält das Buch noch das äußerst bemerkenswerte Vorwort von Clausewitz’ Frau, die aus ihrem tief empfundenen Gefühl für ihren verstorbenen Mann dessen Werk letztlich veröffentlichte.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Rezension: Karriereguide Public Affairs, Florian Busch-Janser und Marie Pötter (Hrsg.), BJP Edition, 2007

Karriereguide-PAEigentlich wollte ich den Karriereguide Public Affairs über Weihnachten lesen. Nach knapp zwei Dritteln war der Textteil jedoch fertig und es folgten nützliche Links, Literaturhinweise und Adressen von PA-Agenturen. So war ich mit der Lektüre schon vor Weihnachten durch. Das kleine Büchlein ist anlässlich des von Busch-Janser Personalmanagement organisierten Karrieretags Public Affairs erschienen. Verschiedene Autoren schildern recht anschaulich den Zugang zum Berufsfeld Public Affairs sowie den Arbeitsalltag. Einige wichtige Autoren, wie Marco Althaus vom Deutschen Institut für Public Affairs oder Dominik Meier von der degepol habe ich ein wenig vermisst. An die Aufsätze schließt eine Zusammenfassung der Personalstudie Public Affairs von 2005 an. Wenn man bedenkt, dass für 2007 eine Neuauflage geplant ist / war, finde ich es schade, dass mit der Veröffentlichung nicht auf die neuesten Daten gewartet wurde. Die Aufsätze sind allesamt gut geschrieben und recht erhellend. Für den Insider wird es zwar nur wenig Neues geben, Berufsanfänger können sich jedoch ein umfassendes Bild machen. Was ein wenig stört ist die Werbung auf dem Umschlag und im Anhang. Aber irgendwie muss ein solches Buch ja auch finanziert werden, wenn es von einer Personalagentur in Eigenregie verlegt wird.

Montag, 20. August 2007

Rezension: Online-PR im Web 2.0, Thomas Pleil (Hrsg.), UVK, 2007

PR20Noch druckfrisch ist das neueste Werk von Thomas Pleil, Professor an der Hochschule in Darmstadt: Online-PR im Web 2.0. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Der erste kürzere beinhaltet das Vorwort sowie eine Einführung von Pleil zum Thema Online-PR; im zweiten längeren Teil fassen Pleils Studenten eigene Fallstudien aus Wirtschaft und Politik, unter anderem BMW, Siemens, Walther Saftkellerei, Angela Merkel, zusammen. Bereits die Einführung überzeugt durch eine klare und ausgewogene Darstellung der Trends in der Online-PR. Dabei bringt Thomas Pleil Ordnung ins scheinbare Chaos des Web 2.0. Das Buch ist wissenschaftliche Literatur, hat Stärken aber gerade da, wo eigene Gedanken formuliert werden, und die Autoren wenig oder gar nicht zitieren. Dies trifft vor allem auf die Einführung zu.
Die Auswahl der Fallbeispiele überzeugt dadurch, dass dem Hype um das Web 2.0 die Spitze genommen wird. Die Autoren verzichten auf die Analyse und Besprechung von Fallbeispielen, wo Berater oder Firmen Produkte und Dienstleistungen rund ums Web 2.0 verkaufen wollen und sich für ihre Selbstdarstellung der entsprechenden Instrumente wie Blogs u.ä. bedienen. An die einzelnen Fallbeispiele wurde qualitativ herangegangen; eine Bewertung überlassen die Autoren vielfach entsprechenden Experten. Fast alle Texte beinhalten Grafiken oder Screenshots sowie eine umfangreiche Linkliste am Ende des Beitrags. Die Qualität der einzelnen Texte variiert naturgemäß von Verfasser zu Verfasser, wobei ich der zweiten Auflage wünschen würde, dass Doppelungen in einzelnen Artikeln sowie Sätze mit verwirrender Wortreihenfolge herausgenommen werden. Alles in allem ein empfehlenswertes und lehrreiches Buch.

Freitag, 27. Juli 2007

Rezension: My Balanced Scorecard, Herwig R. Friedag / Walter Schmidt, Haufe, 2004

My_Balanced_ScorecardWer das System der Balanced Scorecard (BSC) im Unternehmen einführen will, ist mit dem Werk von Friedag und Schmidt gut bedient. Es ist nicht zu theoretisch, sondern für den Praktiker geschrieben. Sehr viel Wert legen die Autoren auf die Feststellung, dass die BSC nicht nur ein Kennzahlensystem ist, sondern in eine übergeordnete Strategie eingebettet und gelebt werden muss. Während diese Forderung unmittelbar einleuchtet, ist die Unterscheidung zwischen Führungs- und Berichts-Scorecard oder strategischen und operativen Kennzahlen nur schwer nachvollziehbar.
Zur Bedeutung der Balanced Scorecard und ihre Nutzung als Public Affairs Scorecard habe ich in diesem Blog bereits einen Beitrag verfasst, von daher möchte ich auf die Grundsätze nicht mehr eingehen. Es ist jedoch so, dass der Kommunikationsfachmann auch in „My Balanced Scorecard“ nicht unbedingt die Anleitung für die Erstellung einer auf Kommunikation fokussierten BSC erwarten darf. Die von den Autoren genannten Beispiele umfassen vielmehr das komplette Unternehmen und nicht nur einzelne Funktionsbereiche. Das Problem, für PR oder PA Kennzahlen zu finden, bleibt auch nach Lektüre und Sichtung der dem Buch beigelegten CD bestehen. Zwar sind in der Tat 400 Kennzahlen angeführt; sie gelten jedoch eher für die klassischen Unternehmensbereiche. Die anschaulichen Grafiken des Buches sind alle auch auf der CD zu finden, die darüber hinaus Werkzeuge zur Erstellung einer BSC beinhaltet. Der Leser merkt den Autoren die Begeisterung für das Konzept der BSC an, was „My Balanced Scorecard“ extrem lesenswert macht.