12 Fragen an...Florian Busch-Janser (Teil 2)
Professionalisierung von Public AffairsFrage: Seit wann und von wem wird Public Affairs in Deutschland professionell betrieben?
Busch-Janser: Ich denke mal Politik wird noch nie stattgefunden haben, ohne dass nicht auch Personen versucht haben, die Entscheidungsträger zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Im Nachkriegsdeutschland lag der Schwerpunkt auf Lobbying korporatistischer Prägung, sprich: Die Verbände vertraten ihre Mitglieder und wurden bei der Gesetzgebung mit einbezogen. Seit dem Umzug nach Berlin erkennen nun immer mehr Unternehmen, dass ihre Interessen nicht immer die gleichen sein müssen, wie die der Konkurrenz, die sich im gleichen Verband befindet. Deshalb werden nun die einzelnen Unternehmen aktiv und vertreten ihre Interesse selbst oder lassen diese durch Agenturen und Kanzleien vertreten.
Frage: Wie beurteilen Sie das professionelle Umfeld (Verbände, Hochschulen, Medien, Berufsethik)?
Busch-Janser: Mit der Jahrtausendwende hat die Professionalisierung mit der Gründung der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung und dem Branchen-Magazin politik&kommunikation einen großen Schritt gemacht. Der nächste große Schritt war wohl die Gründung des Deutschen Institutes für Public Affairs, das inzwischen leider nicht mehr in der ursprünglichen Form existiert. Seit einigen Jahren hat die de'ge'pol sich auch einen Code of Conduct verpflichtet. Ich denke die Professionalisierung der Branche ist schon relativ weit fortgeschritten und auf einem guten Weg.
Frage: Wie professionell sind Public Affairs Manager heute?
Busch-Janser: Die Unternehmensrepräsentanten sind da schon sehr weit und auch in den Agenturen setzen sich immer professionellere Standards durch.
Frage: Was sind die Unterschiede in der PA in Berlin, Brüssel und Washington?
Busch-Janser: In den USA findet PA fast ausschließlich durch Kanzleien statt, was zur Folge hat, dass die Interessen vertraulich in Hinterzimmern vertreten werden. In Deutschland waren die PR-Agenturen schneller und haben sich hier fest als "hired guns" etabliert. In Brüssel finden wir beide Kulturen vertreten.
Frage: Welchen Stellenwert hat Public Affairs heute in Unternehmen, Verbänden, etc.?
Busch-Janser: Die meisten Unternehmen haben inzwischen erkannt, dass sie ohne professionelles Management ihrer Interessen kaum auskommen. Von daher ist der Stellenwert der PA in den letzten Jahren stark gewachsen. Bis wir hier "amerikanische Verhältnisse" haben, wo PA gleichauf mit PR liegt, wird es allerdings noch etwas dauern.
Frage: Welche Rolle spielen Web 2.0 Medien in der PA heute und in Zukunft?
Busch-Janser: Eine immer gewichtigere. Insbesondere bei Grassroots-PA-Kampagnen sind sie schon heute nicht wegzudenken.
Vielen Dank für das Gespräch!
Thomas.Zimmerling - 14. Jan, 07:40
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