Donnerstag, 24. Januar 2008

Warum grünes Holz greenwashed wird

SchwelbrandAnleger haben es zunehmend schwerer. Hohe Renditen sind im Angesicht der sich abzeichnenden Rezession nur noch schwer zu erzielen. Zumal viele der angebotenen Produkte ja in Firmen investieren, die sich dem Gedanken der Corporate Social Responsibility verschrieben haben. Die Produkte tragen dann Label wie „ohne Kinderarbeit“, „aus biologischem Anbau“ oder „fair gehandelt“. Wie soll da noch eine gescheite Rendite erzielt werden? Man verzeihe mir die Ironie.
Die Zeit hat jüngst bei Holzzertifikaten gezeigt, dass es sehr wohl Umweltsiegel gibt, unter denen sich ganz prima Raubbau an der Natur betreiben lässt. Mit entsprechend erfreulichen Auswirkungen auf die Rendite. So weit so schlecht. Die Details: Auf dem Holzmarkt gibt es zwei konkurrierende Siegel, nach denen sich Firmen zertifizieren lassen können. Holzindustrie und Waldbesitzer vergeben das PEFC-Siegel. Umweltverbände, Gewerkschaften und einige Forstunternehmen ihrerseits haben das FSC-Siegel. In Deutschland sind 500.000 Hektar Wald FSC-zertifiziert, 7,3 Millionen Hektar haben das PEFC-Siegel. International sieht es ähnlich aus.
Der australische Konzern Gunn hat ein nationales Siegel, das von der PEFC anerkannt ist. und kann es sich erlauben, die Regenwälder Tasmaniens mit Sprengstoff zu roden und die abgeholzte Fläche dann mit Dieselbrandgel für die Bepflanzung mit schnell wachsenden Eukalyptus-Monokulturen zu säubern. Diese werden mit Atrazin gegen Schädlingsbefall gespritzt – ein Trinkwasser gefährdender und wahrscheinlich krebserregender Stoff, der in der EU verboten ist. Kängurus und andere Saatfresser bekämpft Gunn mit vergifteten Karotten.
Gunn befindet sich in den Produktportfolios der Landesbank Berlin; eine österreichische Raiffeisenbank hat Aracruz im Angebot, die ähnlich wirtschaften wie Gunn. Der Kunde bekommt die Produkte als nachhaltig und zertifiziert verkauft. Wenigstens die Deutsche Bank Tochter DWS hat auf Kritik von NGOs wie Robin Wood reagiert und sowohl Gunn als auch Aracruz aus dem Portfolio genommen. Gutes Krisenmanagement.

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