12 Fragen an...Florian Busch-Janser (Teil 1)
Florian Busch-Janser ist Geschäftsführender Gesellschafter der Busch-Janser Personalmanagement KG, die Interim Consultants an Agenturen, Verbände und die Politik verleiht. Er studierte Wirtschaftsrecht mit dem Schwerpunkt Arbeitsrecht und Personalwesen sowie Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Politische Kommunikation. Im Anschluss war Busch-Janser bei Pleon im Bereich Public Relations und Politische Kommunikation tätig. Zudem ist er Herausgeber des Karriereportals www.polisphere.de, Fachbuchautor (Politikberatung als Beruf, Karriereguide Public Affairs, Staat und Lobbyismus) und als Dozent an mehreren Hochschulen tätig.Berufsfeld Public Affairs
Frage: Herr Busch-Janser, Sie spielen virtuos auf der Klaviatur des Web 2.0, moderieren unter anderem eine Gruppe auf Xing https://www.xing.com/net/politischekommunikation und betreiben einen Personal-Blog zu Politik & Beratung http://www.personnelaffairs.de. Mit welchem Erfolg?
Busch-Janser: Der Fachkräftemangel ist in allen Branchen zu spüren, und da muss man schon neue Wege gehen um seine Zielgruppen zu erreichen. Das Internet bietet hier bislang ungeahnte Möglichkeiten, spannende Personen zu identifizieren (da diese ihr Profil freizügig online stellen), anzusprechen und auch einzubinden.
Frage: Welche Tätigkeitsbereiche bieten Public Affairs?
Busch-Janser: Nehmen wir Public Affairs im engeren Sinne, also die Vertretung von wirtschaftlichen Interessen gegenüber politischen Entscheidungsträgern, so finden sich die Tätigkeitsbereiche entlang
des politischen Entscheidungsprozesses, also: Identifizierung von Themen (Monitoring und Agendasetting), Entscheidungsfindung (konkrete Einflussnahme) und schließlich die Beratung bei der Umsetzung.
Frage: Welche Ausbildung würden Sie Schulabsolventen empfehlen, die Public Affairs machen möchten?
Busch-Janser: In der Public Affairs werden überwiegend Generalisten gebraucht und klassisch Studiengänge wie Politik-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften bevorzugt. Allerdings ist der Markt
grundsätzlich offen für Quereinsteiger aus allen Bereichen. Wichtig ist für Interessenten vor allem, viel Berufserfahrung in relevanten Bereichen zu sammeln, also Politik, Medien, PR und dann natürlich auch in PA-Agenturen, Unternehmensrepräsentanzen und Verbänden.
Frage: Wo sind denn da die Berufsaussichten für PA-Einsteiger am besten?
Busch-Janser: Der oft erträumte Direkteinstieg in eine Unternehmensrepräsentanz wird sicher nur wenigen Hochschulabsolventen gelingen, allein schon weil es hier wenige Stellen zu besetzen gibt
und diese dann meist qualifizierte Berufserfahrung erfordern. Einstiegs-Positionen in Verbänden gibt es hingegen "wie Sand am Meer" - beim Blick in die Lobbyliste des Bundestages wird einem ganz schwindelig und genau das ist auch das Problem: der Markt ist sehr unübersichtlich und man weiß gar nicht, wo man mit dem Bewerben anfangen soll. Der klassische Einstieg in die Public Affairs geht über ein Volontariat oder Traineeship in einer PR-/PA-Agentur. Diese zahlen zwar vergleichsweise wenig Gehalt (1.100 bis 1.700 Euro mtl. brutto) aber man bekommt einen breiten Einblick in das Feld und wird mit dem beruflichen Handwerkzeug ausgestattet.
Frage: Wie sind denn sonst die Verdienstmöglichkeiten im Bereich Public Affairs?
Busch-Janser: Einsteiger können in Verbänden mit einem Einstiegsgehalt auf Niveau des öffentlichen Dienstes rechnen, also so um die 30.000 Euro Bruttojahresgehalt. Unternehmen zahlen leicht darüber. Nach dem Lehrjahr in Sparsamkeit können aber auch Agenturmitarbeiter deutlich aufholen: ein Juniorberater liegt dann schon häufig zwischen 2.200 und 2.700 Euro brutto im Monat.
Frage: Was macht einen guten Public Affairs Manager aus? Wonach suchen Sie unabhängig von der zu besetzenden Stelle?
Busch-Janser: Die eierlegende Wollmilchsau ist ein Kommunikationsass, das nicht nur weiß, wie Politik funktioniert sondern auch ein belastbares Netzwerk zu politischen Entscheidungsträgern hat und sich in Wirtschaft, Recht und Medien auskennt - verhandlungssicheres Englisch wird in Zeiten der EU natürlich sowieso vorausgesetzt ;-). In Gesprächen mit unseren Mandanten merken wir immer wieder, dass vor allem die Kenntnis des politischen Systems wichtig ist und zwar über das was man theoretisch im Studium gelernt haben mag hinaus. Welche Themen sind auf der politischen Agenda? Wer trifft die politischen Entscheidungen? Wie kann man hier Informationen einfließen lassen? Wer
vor der zweiten Lesung im Bundestag den Minister anruft, kommt nicht nur zu spät sondern wird auch kein Gehör finden.
Thomas.Zimmerling - 13. Jan, 08:00
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks

