12 Fragen an… Dr. Ulrich F. Schneider (Teil 1)
Ulrich Schneider ist Geschäftsführer der Felix Kommunikation GmbH, die sowohl Public Relations als auch Coaching anbietet. Schneider verfügt in diesen Bereichen über mehrjährige Erfahrung sowohl auf Agentur- als auch Kundenseite (u.a. Neckermann, Bosch-Rexroth). Sein Spezialgebiet ist die PR für in der Öffentlichkeit stehende Personen sowie die Tätigkeit als Gutachter und Sachverständiger für Wirtschaftskommunikation. Ulrich Schneider schreibt gelegentlich für FR, taz und den Rheinischen Merkur, ist Dozent für Medienrecht (DAPR) und hält Vorlesungen (u.a. an der Fachhochschule Fresenius und der Universität Ingolstadt).Medienkommunikation
Frage: Herr Dr. Schneider, Sie haben mit Felix Kommunikation langjährige Erfahrung in der Schulung von Vorständen und Geschäftsführern im Umgang mit den Medien. Woher kommt die Scheu zu und mit den Medien zu sprechen?
Schneider: Manager sehen Journalisten häufig als Gegner und nicht als Partner – quasi als Mitarbeiter gegenüber denen sie weisungsbefugt sind. Aus diesem falschen Rollenverständnis kommt es dann in der Praxis zu einem Schockerlebnis: Der Journalist funktioniert nicht so, wie er eigentlich soll.
Frage: Vielen Menschen, die im Rampenlicht stehen, sieht man an ihrer Gestik und Mimik an, dass sie im Umgang mit dem Fernsehen geschult sind. Sie wirken dadurch nicht mehr authentisch. Wie kommt das?
Schneider: Wenn sie in einer guten Schulung waren, sieht man dies nicht. Gute Coachings zeichnen sich dadurch aus, dass keine schematischen Regeln aufgestellt werden für Gestik und Mimik. Der Manager lernt passend zum Inhalt und passend zum Impuls seine Körpersprache einzusetzen. Schließlich steht und fällt beim Medienauftritt alles mit der Authentizität.
Frage: Können es sich Unternehmen heutzutage noch leisten, nicht zu kommunizieren?
Schneider: Das geht ja leider nicht. Denn wie wir seit Watzlawick wissen, kann man nicht nicht kommunizieren. Somit kommunizieren Unternehmen immer, auch wenn sie das nicht möchten. Dies sollte man immer im Hinterkopf behalten.
Frage: Wie wichtig ist CEO-Management für deutsche Unternehmen?
Schneider: Dies wird zunehmend wichtiger: Der Manager als Marke. Bedeutet aber auch, dass hier ein Team an diesem Projekt arbeiten muss.
Frage: Welche Bedeutung kommt einem CEO in der Krise zu?
Schneider: Im Krisenfall ist er nicht nur die erste Wahl, sondern für das Unternehmen geradezu überlebensnotwendig. Der Manager steht schließlich für das ganze Unternehmen und wenn er sich der Öffentlichkeit stellt, unterstreicht er damit die Wichtigkeit und Ernsthaftigkeit der kritischen Situation.
Frage: Kennen Sie Naturtalente, die selbst in der Krise ohne Beratung oder Medientraining ihren Mann oder ihre Frau stehen?
Schneider: Naturtalente gibt es in allen Lebensbereichen. Aber selbst ein begnadeter und schlagfertiger Redner kann in der Krise eine böse Überraschung erleben. Der Manager vor der Kamera weiß fast nie wie überhaupt der Sachstand ist, gleichzeitig trifft er auf eine emotional-aggressive Stimmung bei Journalisten und in der Bevölkerung. Diese sehr spezielle Situation lässt selbst alte Hasen erstarren.
Thomas.Zimmerling - 16. Jul, 07:45
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks

