Mittwoch, 9. Juli 2008

Lobbyisten: Besser als ihr Ruf

aktenkofferAuch wenn die Veranstaltung Seitensprünge – erster Tag der politischen Kommunikation unter anderem bei Lobbycontrol hart kritisiert wurde: Es zeigte sich einmal mehr, dass die Professionalisierung der politischen Kommunikation mehr Offenheit und Transparenz mit sich bringen wird. Bei Polisphere ist nachzulesen, dass sowohl Lobbyisten als auch Politiker ein Register für Interessenvertreter auch in Deutschland fordern. Zitiert werden Thomas Steg, Cornelia Pieper und Christoph Kannengießer. Immerhin drei nicht ganz unbedeutende Personen des politischen Lebens.

Dienstag, 8. Juli 2008

Auch Streiks sind eine Krise

WirbelwindDie Lufthansa wird gerade von einem Streik bei ihren Tochtergesellschaften, unter anderem Eurowings, heimgesucht. Thomas Knüwer findet, dass der Hinweis darauf am Boden der Startseite gut versteckt ist. Von Streik ist hier auch noch keine Rede, nur von Informationen zum aktuellen Flugbetrieb. Eigentlich wäre der Hinweis nach Lehrbuch prominent zu platzieren. Und auch die Besetzung der Hotline wäre kurzfristig verstärkt worden – aber auch hier Fehlanzeige: Die angegebene Telefonnummer ist zwar besetzt, aber eben im gänzlich anderen Sinn. Knüwer macht die Lufthansa kurzerhand zum Lämmergeier. Da kommt Freude auf – nicht nur im Krisenstab.

Montag, 7. Juli 2008

Deutsche Post AG: Gutes Verhältnis zu den Stakeholdern

LeserDie Deutsche Post AG steht laut Handelsblatt gerade unter Druck, da amerikanische Piloten, die für die defizitäre Sparte der Post in de USA fliegen, um ihre Arbeitsplätze bangen. Organisiert von ihrer Gewerkschaft Alpa, schalten die Piloten Anzeigen in deutschen Medien. Als wäre das nicht noch genug Zündstoff für eine Krise, weist Thomas Knüwer in seinem Blog noch auf das Verhalten des Bonner Generalanzeigers hin: Der lehnte nämlich eine Veröffentlichung der Anzeige mit dem Slogan "Achtung Deutsche Post AG Aktionäre - Ist das das Ende von DHL?" ab. Begründung: Um die gute Nachbarschaft zur Post nicht zu gefährden, sei man mit der Veröffentlichung solch kritischer Anzeigen sehr vorsichtig. Tja, da bleibt nur, dem Generalanzeiger zu vorauseilendem Gehorsam oder der Post zu ihrem guten Verhältnis zur örtlichen Presse zu gratulieren. Angeblich hält die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nicht nur Anteile an der Deutschen Post AG, sondern auch am Verlag des Bonner Generalanzeigers.

Freitag, 4. Juli 2008

Der kommunikative Umgang mit Krisen, 12.9.-13.9.2008, Singen

Das Seminar der PR School Konstanz möchte das Rüstzeug für effiziente Krisenkommunikation vermitteln und betrachtet dazu unter anderem die Bereiche Organisation der Krisenkommunikation, Imagebuilding, Issue Management und Reputationsmanagement. Die Teilnehmer des zweitägigen Kurses nehmen an Impulsreferaten, Fallbeispielen sowie Gruppenarbeiten teil und bekommen Einzelaufgaben. Dabei sollen sie die Do’s und Don’t’s der Krisenkommunikation kennen lernen. Neben traditionellen Instrumenten wie dem Krisenhandbuch widmet sich die Veranstaltung unter Leitung von Mirko Meier-Rentrop auch Krisen im Netz. Die Veranstaltung richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus Unternehmen, Organisationen, Verbänden und Behörden sowie Agenturen mit ersten Erfahrungen in der Krisenkommunikation. Das Programm geht am ersten Tag von 9.00 bis 18.00 Uhr, am zweiten Tag von 09.00 bis 17.30 Uhr. Veranstaltungsort ist die PR School / das DAA-Bildungszentrum in Singen (Hohentwiel).

Kosten: 700,00€ zzgl. MwSt.

Donnerstag, 3. Juli 2008

Giesecke & Devrient stoppt Lieferung von Banknoten an Simbabwe

geldWas lange währt, wird endlich gut. Giesecke & Devrient hat sich nach wochenlangem Zögern entschieden, die Lieferung von Banknotenpapier an die Zentralbank von Simbabwe einzustellen. Bisher hatte das Unternehmen nicht einmal seine Geschäftsbeziehungen zu Simbabwe eingestanden. Auch die bis dato gefundene Sprachregelung, dass Giesecke & Devrient bei der Lieferung von Banknoten und Papier nicht politisch agiere und sich an die Regeln der Weltbank halte, wurde jetzt erneut wiederholt. Dabei hatte Entwicklungshilfeministerin Wiezcorek-Zeul das Unternehmen bereits darauf hingewiesen, dass es einen Verhaltenskodex unterschrieben habe, in dem die Einhaltung der Menschenrechte verbindlich zugesagt wurde. Was das Regime von Robert Mugabe von Menschenrechten hält, dürfte es in den letzten Monaten jedoch zur Genüge bewiesen haben.
Um die Firma zur Einstellung der Lieferungen zu bewegen, bedurfte es laut Focus Demonstrationen von Menschenrechtsorganisationen vor der Firmenzentrale sowie eines Anrufs von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Das Beispiel Giesecke & Devrient macht sehr schön deutlich, wie wenig rechenschaftspflichtig und damit auch krisenanfällig ein Unternehmen sein kann, das weder NGOs oder normale Konsumenten als Kunden hat noch an der Börse notiert ist.

Mittwoch, 2. Juli 2008

Küssen verboten – Wie Heinz-Ketchup von einer Krise in die nächste stolperte

AlarmBriten haben Humor. Nur leider sind sie auch prüde. Das hat soeben H.J. Heinz, bekannt für sein Ketchup, feststellen müssen. Dieses Mal ging es um Mayonnaise. Genauer gesagt um einen britischen TV-Spot, in dem ein Mann in Küchenmontur zwei Kindern ihre Sandwiches für die Schule zubereitet. Beide bedanken sich artig bei „Mom“ für das Sandwich, bevor ein weiterer Mann im Anzug seinen Proviant in Empfang nimmt und den Mann in Küchenmontur küsst. Resultat: Fast 200 Beschwerden binnen einer Woche. Der Werberat bezeichnete den 30-Sekünder gar als „anstößig“ und „ungeeignet für Kinder“. Heinz zog den Spot von BBDO daraufhin flugs zurück, um Schlimmeres zu vermeiden. Ausgerechnet eine Schweizer Zeitung kommentiert die Prüderie der Engländer sehr süffisant. Kaum war an der einen (Eltern-)Front Ruhe, kam es laut Süddeutscher Zeitung an der anderen Front zu Protesten von Organisationen für die Rechte Homosexueller. Die Presseerklärung von Heinz zum Thema konnte wohl unglücklich interpretiert werden: Der TV-Spot entspreche nicht der Unternehmenspolitik, da er Menschen in ihren Rechten verletzt habe und nicht witzig gewesen sei. Was die Organisationen für die Rechte Homosexueller von der Absetzung des TV-Spots und der Verbannung von der Mattscheibe gehalten haben, formulierten sie in Form eines Boykottaufrufs für Heinz-Produkte.

Dienstag, 1. Juli 2008

Zur Glaubwürdigkeit von Unternehmen

LautsprecherDen gestrigen Blogbeitrag zum Thema Astroturfing hat Thomas Pleil kommentiert, und es ist das Thema Glaubwürdigkeit von Unternehmen aufgekommen.
Viele Menschen haben den Glauben daran verloren, dass Firmen ehrlich kommunizieren. Leider werden sie darin durch eine ganze Menge an schlechten Beispielen bestärkt. Entweder reden Unternehmen überhaupt nicht mit ihren Stakeholdern, sie tun es zu spät, rücken Informationen nur nach und nach heraus oder verdrehen die Wahrheit (vulgo: lügen). Außerdem sind Unternehmen nur so glaubwürdig wie die handelnden Personen. Und auch da haben deutsche Manager ja in der jüngsten Vergangenheit kein rühmliches Beispiel abgegeben.
Stellt sich die Frage, wie Unternehmen überhaupt noch glaubwürdig kommunizieren können. Diese Frage möchte ich gerne an die Leser weitergeben und gleichzeitig ein paar Ideen in den Raum werfen:
  • Monitoring auf allen Kanälen, damit klar ist, wie über einen gesprochen wird und wo in den Dialog zu treten ist
  • Offen sein, auch wenn es wehtut, weil das Glaubwürdigkeit schafft
  • Vorstand bzw. Geschäftsführung in Kontakt mit Medien und Kunden bringen, damit die Entscheider wissen, was gerade von Interesse ist
  • Reputationsmanagement in der Organisationsstruktur verankern (top down)
  • Mitarbeiter, Kunden, etc. als Multiplikatoren ernst nehmen und ihnen mit Wertschätzung begegnen
  • Gute Produkte / Dienstleistungen und hervorragenden Service bieten - das ist Standard und Minimalanforderung. Nachhaltigkeit im unternehmerischen Handeln ist heutzutage unverzichtbar.
  • Immer und überall kommunizieren - aber nur für die Zielgruppe Relevantes
  • Fehler zugeben - kein Unternehmen hat immer Recht
Nachdem es online nicht viele wirklich gute Quellen (FTD, Crossmediale Kommunikation) gibt, bitte ich um Ergänzung dieser Liste.

Montag, 30. Juni 2008

Klicken Sie doch einfach mal auf „Kontakt“

TastaturGraswurzelbewegungen sind eine feine Sache, wenn sich dadurch Bürger Gehör verschaffen, die sich politisch nicht vertreten fühlen. Problematisch wird es, wenn kommerzielle Interessen Bürgerbewegungen vortäuschen, um ihren bereits vorhandenen Einfluss noch zu vergrößern. Dann wird grass roots campaigning ganz schnell zu astroturfing. Momentan gibt es dazu viele Berichte, und auch ich habe zu dieser fast epidemischen Modeerscheinung bereits gebloggt. Um Astrotrufing von einer ganz normalen PR-Kampagne zu unterscheiden, genügen in der Regel drei Klicks auf einer suspekten Website:
Impressum – Welchen Hintergrund hat die genannte Person? Oder steht hier eine PR-Agentur, eine Firma oder ein Verband?
Kontakt – Landet die Anfrage direkt bei der Organisation oder einer PR-Agentur dahinter?
Geschäftsbericht – Finanziert sich die Organisation oder der Verein aus privaten Kleinspenden oder nur aus Mitteln anderer Verbände oder Unternehmen?
Ist aus einer dieser drei Quellen ersichtlich, dass einige Wenige eine PR-Kampagne führen und vorgeben, sehr viele Einzelne zu vertreten, kann man eigentlich nicht mehr von Astroturfing sprechen, weil es ja klar erkennbar ist. Zu Astroturfing gehört schon ein bisschen mehr an Verschleierungstaktik.

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