Donnerstag, 27. Februar 2014

Österreich - Mekka der Lobbyisten

MitarbeiterEine aktuelle Studie vom Wirtschaftsforum der
Führungskräfte (WdF) und der führenden Public Affairs Agentur Österreichs, Kovar & Partners, zeigt, dass Lobbyismus für viele Unternehmen des Alpenstaates mittlerweile Routine ist. 85% der österreichischen Firmen beobachtet politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Von den Großunternehmen sind sogar 80% im Lobbying aktiv. Für mittelgroße Firmen beträgt der Anteil immer noch stolze 60%. Bricht man diese Zahlen herunter auf die Art und Weise, wie die Public Affairs-Arbeit konkret gemacht wird, fällt eines auf: Nur etwa ein Drittel der Unternehmen betreibt das Lobbying in house. Die Hälfte ist über Verbände und Kammern aktiv, ein Fünftel hat externe Berater angeheuert. Dass es sich bei Public Affairs und Lobbying um einen Wachstumsmarkt handelt wird deutlich, wenn man sich die Prognose für die Budgets ansieht: Die Hälfte der Befragten geht von gleichbleibenden Mitteln aus; 40% erwarten eine Steigerung.

Quelle: Studie von WdF und Kovar und Partners unter 475 Führungskräften.

Montag, 24. Februar 2014

Endlich Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung, aber...

aktenkofferDer Deutsche Bundestag hat zusammen mit dem Gesetz zur Diätenerhöhung auch eine neue Regelung zur Abgeordnetenbestechung verabschiedet. Danach ist es Mandatsträgern zukünftig untersagt, auf Weisung Dritter im Parlament tätig zu werden, bspw. Gesetzentwürfe einzubringen. Auch Vorteilsannahmen sind enger geregelt, lassen aber weiterhin bestimmte Formen der Spenden an Abgeordnete zu. Unberührt bleiben Lobbytätigkeiten zusätzlich zum Mandat und vor allem anwaltliche Tätigkeiten. Alles in allem ist die Gesetzesänderung schon vom Umfang her als mager zu bezeichnen und auch inhaltlich greift sie zu kurz.

Freitag, 21. Februar 2014

Zahlen der Woche: Der gute Ruf wird nicht gemessen

60% der Befragten untersuchen regelmäßig die Reputation des Firmenchefs
83% positionieren aktiv den CEO in den Medien
67% nutzen gezielt Instrumente zur Schärfung des Profils
30% rücken die funktionalen Kompetenzen des CEOs in den Vordergrund ihrer Kommunikation; ebenfalls 30% die Werte, für die der Vorstand steht
25% betonen Sachkompetenzen
14% thematisieren auch das persönliche Verhalten


Quelle: ECCOS-Studie von Ketchum unter 579 europäischen Kommunikationsveramntwortlichen.

Dienstag, 28. Januar 2014

In eigener Sache

Viele von Euch kennen mich nicht nur über meinen Blog, sondern auch über meine Arbeit für Jack Wolfskin, wo ich in den letzten drei Jahren die Unternehmenskommunikation geleitet habe. Ein großer Teil meiner Arbeit bestand darin, mit meinem Team eine Kommunikations- und Social Media Strategie zu erarbeiten und umzusetzen und damit der Marke Jack Wolfskin wieder eine Stimme zu verleihen. In punkto Krisenmanagement und Public Affairs ist Jack Wolfskin heute besser aufgestellt als noch vor drei Jahren. Wir haben es unter anderem geschafft, konstruktiv zur Detox-Kampagne von Greenpeace zu kommunizieren und dann auch entsprechend zu handeln. Darauf sind wir stolz.

Ich erinnere mich noch an die ersten Wochen bei Jack Wolfskin und das hervorragende Betriebsklima und die Hilfsbereitschaft, die mich über die Maßen beeindruckt haben. Die Geschäftsführung hat mir und dem Team alle erdenklichen Möglichkeiten und Freiheiten gegeben. Dafür bin ich sehr dankbar. Diese Zeit des Aufbaus in der Kommunikation ist nun vorbei.

Am meisten fehlen wird mir mein Team (damals und heute): Christine, die auf bewundernswerte Weise Familie und Vollzeitjob unter einen Hut bringt. Ines, deren Lebenserfahrung und trockener Humor mich immer wieder beeindruckt haben. Daniel, der innerhalb kurzer Zeit eine tolle Entwicklung genommen hat. Lena, deren Ruhe und Perfektion so untypisch und trotzdem wohltuend für den Online-Bereich war. Yannick und Annika, die Social Media mit mir aufgebaut haben, daran gewachsen und darin aufgegangen sind. Marvin, der auch in härtesten Krisen-Situationen seinen Mann gestanden hat. Merle, die permanent kreuz- und quer gedacht und vor allem über den Tellerrand geschaut hat. Und nicht zuletzt Ingmar, der - obwohl nicht Teil des Teams - mit mir das Büro, so manches Problem und etliche Gefühlslagen geteilt hat. Ihnen gehört mein Dank von ganzem Herzen.

Ab dem 1. Februar werde ich die Unternehmenskommunikation bei Berner in Künzelsau leiten. So unbekannt der Name für viele sein dürfte, so anspruchsvoll wird die Aufgabe sein - und darauf freue ich mich!

Dienstag, 21. Januar 2014

Zahlen der Woche: Edelman Trust Barometer 2014

86% der Befragten vertrauen Familienunternehmen
39% erklären, dass sie börsennotierten Unternehmen Glaubwürdigkeit beimessen
66% der Studienteilnehmer sind der Meinung, börsennotierte Unternehmen hätten zu viel politischen Einfluss
27% glauben dasselbe von Privatunternehmen
77% denken, dass Firmen im Privatbesitz sich an den Kundenbedürfnissen ausrichten
69% der Befragten vertrauen NGOs am meisten
57% setzen Vertrauen in Unternehmen
54% glauben den Medien
49% trauen ihrer Regierung über den Weg
33% wollen die Wirtschaft allgemein stärker regulieren
66% halten das im Falle der Finanzindustrie für notwendig
78% der Befragten wollen, dass die Industrie bei Regulierungsmaßnahmen gefragt wird
47% gestehen diese Mitsprache auch der Finanzindustrie zu

Quelle: Studie von Edelman unter 33.000 Befragten und 700 Meinungsführern weltweit.

Dienstag, 14. Januar 2014

Ritter Sport versus Warentest

Schokolade_flssig_2_161326Ritter Sport ist etwas gelungen, was bis dato nur wenigen Unternehmen vergönnt war: Sie haben einen Rechtsstreit gegen die Stiftung Warentest (zumindest erstinstanzlich) gewonnen. Die Medienberichterstattung dazu ist Stand heute positiv für die Schokoladenmarke. Viele Krisenkommunikatoren haben Ritter von einer Klage abgeraten und den Streisand-Effekt beschworen. Ich erinnere mich an einen Artikel in der w&v, der Ritter Sport auch noch eine schlechte Krisen-PR bescheinigt hat. Ehrlich gesagt habe ich das damals im Unterschied zu vielen Kollegen nicht so gesehen. Wenn Ritter sich sicher war, dass die Stiftung Warentest zu Unrecht zu ihrem Urteil gekommen ist, war es richtig und legitim, sich und sein Produkt auch im Interesse der Kunden zu verteidigen. Zudem habe ich an dem Thema Aromen in meiner Vergangenheit schon mal gearbeitet und war nach den Verlautbarungen von Symrise und Ritter sicher, dass ein Gerichtsverfahren alles andere als aussichtslos sein würde. Diese Frage ist zwar vom Gericht nicht entschieden worden, die Stiftung Warentest hat allerdings eine unfaire Arbeitsweise bescheinigt bekommen. Wer viel mit Warentestern zu tun hat, weiß, dass das häufiger passiert, als in der Öffentlichkeit bekannt. Ich habe schon Tests den Bach heruntergehen sehen, weil wir Tester davon überzeugen konnten, dass die Methodik vollkommen ungeeignet ist. Viel zu oft lassen Unternehmen so etwas mit sich machen und halten still, weil die andere Seite per se als "gut" und "glaubwürdig" gilt und gegen sie kein Blumentopf in der öffentlichen Diskussion zu gewinnen ist. Andererseits haben Medien schon viele Denkmäler vom Sockel geholt, und die Journalisten schauen erst aktuell etwas genauer hin.

In der Tat kann man darüber diskutieren, ob Ritter nicht schon viel eher und härter hätte zuschlagen müssen, wenn man so gute Argumente auf seiner Seite hatte. Das wäre aber aus meiner Sicht der einzige Vorwurf gewesen, den sich das Unternehmen gefallen lassen müsste. Ansonsten ist es nun Aufgabe der Kommunikatoren bei Ritter, den Sieg der Juristen nicht zu einem Phyrrus-Sieg werden zu lassen und die Lufthoheit zum Thema nicht zu verlieren.

Die Stiftung auf der anderen Seite wäre gut bedient, das Urteil nicht so lapidar abzutun wie in einer ersten Stellungnahme. Nach dem Finanztest-Fauxpas und dem Wirbel um die e-bikes wäre Ritter der dritte sehr ernsthafte Schlag für die Glaubwürdigkeit. Gestern früh im Radio erklärte jeder zweite Passant, dass er weniger Warentests als Freunden in der Offline- oder Social Media-Welt vertraue. Das halte ich aus eigener Erfahrung mittlerweile genauso.

Montag, 13. Januar 2014

Krisenkommunikationsgipfel 2014, 19. März 2014, Berlin

Der Krisenkommunikationsgipfel feiert Jubiläum: Im 20. Jahr steht der Umgang mit Compliance-Fällen im Fokus der Tagung. Das diesjährige Programm hat vier Teile: Krisenkommunikation und Reputation, Krisenkommunikation beim Turnaround, Krisenkommunikation und Whistleblowing sowie Krisenkommunikation und Katastrophen. Die Referenten kommen unter anderem von der Elbphilharmonie, dem Bundesamt für Verfassungsschutz, der FDP, der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und der Deutschen Bahn.

Kosten: 395,00€ (Frühbucherrabatt bis 7. Februar, zuzüglich Mehrwertsteuer), danach 450,00€ (zuzüglich Mehrwertsteuer). Ordentliche Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Krisenmanagement e.V. (DGfKM), der Deutschen Public Relations Gesellschaft e.V. (DPRG), des Deutschen Instituts für Compliance e.V. (DICO) sowie der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung e.V. (de'ge'pol) erhalten 10 Prozent Rabatt.

Montag, 30. Dezember 2013

Zahlen der Woche: Das EU-Lobbyregister und seine Widersprüche

6.000 Einträge hat das EU-Lobbyregister seit seinem Start im Jahr 2011 angesammelt
75% der Industrielobbyisten sind mittlerweile registriert
60% aller NGOs haben ihre Vertreter angemeldet
30.000 Lobbyisten gibt es in Brüssel
0 Euro betragen die Lobbyausgaben der Association of Independent Tobacco Specialists - letzter Platz im Register
55 Millionen Euro Lobbyausgaben bescherten dem französischen Versicherer IRCEM den ersten Platz
23 Millionen geben die Konzerne Ford, Google, Unilever, ExxonMobil, Shell, British Airways, Microsoft 4,7, Bayer, Statoil, Ericsson und Nokia in Summe aus
20 Millionen sind es - zum Vergleich - bei Tunclear Textile Industry Inc., einem mit Biobaumwolle arbeitenden Textilhersteller

EU-Lobbyregister - Großer Wurf oder Mogelpackung?

100Die gute Nachricht zuerst: Lobbyisten müssen sich zukünftig im EU-Lobbyregister eintragen, um Zugang zu Kommission und Parlament zu haben. Die schlechte Nachricht: Die Regelung soll erst 2017 in Kraft treten und bedarf der Zustimmung des Ministerrates, der zukünftig in die Registrierungspflicht einbezogen werden soll. Alternativ müssen sogar die EU-Verträge geändert werden.
Die Arbeitsgruppe zum EU-Lobbyregister hat zudem festgelegt, dass der Zugang zu Parlament und Kommission an eine Registrierung geknüpft sein soll. Die eingegebenen Daten werden auf ihre Plausibilität überprüft. Verstöße werden wie gehabt mit einem Ausschluss aus dem Register und einem Wegfall des Zugangs zu den EU-Organisationen geahndet.
Der österreichische EU-Abgeordnete Martin Ehrenhauser stimmte als einziges Mitglied der Arbeitsgruppe gegen den Abschlussbericht. Neben dem verpflichtenden Charakter des Registers gehen ihm auch die Regelungen zur Teilnahme des Rates und der Transparenz von Anwaltskanzleien nicht weit genug. Fazit: Es bleibt noch viel zu tun in punkto EU-Lobbytransparenz.

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