Mittwoch, 22. Juli 2015

Gregor Gysi, die Linke und der Lobbyismus

AlarmLobbyismus von rechts wird immer von links kritisiert. Rechte Kritik an linkem Lobbyismus wird diffamiert. Auf diese kurze Formel lässt sich häufig die Debatte über politische Interessenvertretung bringen. Der Kollege Thomas Wimmer schreibt in der aktuellen Politik & Kommunikation, dass Lobbyismus von NGOs in der öffentlichen Wahrnehmung per se als gut wahrgenommen wird, Lobbyismus von Industrieverbänden und Unternehmen als schlecht. Was linke Politiker als ganz selbstverständlich kritisieren, gilt für sie selbst nicht. Und was haben wir da nicht alles erlebt? Seitenwechsel ehemaliger SPD-Bundeskanzler in die Energieindustrie, Tätigkeiten ehemaliger Bundesminister für diktatorische Regime, etc.
Das neueste Beispiel ist der Fall Gregor Gysi, den Hans-Martin Tillack für den Stern beschreibt. Auf der einen Seite kündigte Gysi an, die Nebeneinkünfte seiner Fraktionsabgeordneten lückenlos zu veröffentlich - und machte selbst nicht mit. Auf der anderen Seite arbeitet er als Berater für ein Immobilienkonsortium, das vom Linke-geführten brandenburgischen Finanzministerium eine Immobilie in Potsdam erwirbt. Unabhängig davon, ob es die von Tillack erwähnten Ungereimtheiten tatsächlich gibt: Als Berater muss ich hier schon aus ethischen Gründen einen Interessenkonflikt sehen und das Mandat an einen Kollegen weitergeben, der politisch nicht dieselbe Couleur hat wie der Minister.

Montag, 20. Juli 2015

Integritywatch beobachtet EU-Kommission

klicker6243Transparency International hat mit www.integritywatch.eu eine neue Plattform für die Beobachtung von Kontakten der EU-Kommissare und ihrer leitenden Mitarbeiter veröffentlicht. Erfasst sind Kommissare, Direktoren und Kabinettsmitglieder. Auf der anderen Seite sind die entsprechenden Interessenvertreter genannt. Entgegen der landläufigen Meinung finden sich hier unter den Top 10 auch NGOs wie der WWF und Greenpeace. Nichtsdestotrotz ist die Zahl der NGO-Kontakte mit Ausnahme der großen Player geringer als die der kommerziellen Lobbyistenkontakte. Weitere Reiter auf der Seite beschäftigen sich mit Lobbyausgaben im Detail sowie den Einkommen der Mitglieder des EU-Parlaments.
Die Seite ist ansprechend gestaltet und hat eine gute Usability. Mittlerweile gibt es jedoch eine ganze Menge an Websites, die diverse Auswertungen zur Verfügung stellen. Mal sehen, welche Plattformen sich auf Dauer durchsetzen.

Checkpoint political consulting, 23. Oktober 2015, Berlin

Der diesjährige Checkpoint political consulting feiert Jubiläum: Bereits zum zehnten Mal werden knapp 300 Absolventen und Young Professionals mit erfahrenen Politikberatern zusammentreffen, um die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten der Public Affairs-Branche kennenzulernen. Die Veranstaltung findet dieses Jahr in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung statt.
Der Checkpoint beginnt mit einem sogenannten Agentur-Pecha Kucha. Dabei vermitteln die führenden Beratungsunternehmen im Bereich Public Affairs Eindrücke von ihrer Arbeit. Diese können die Teilnehmer anschließend im Messebereich vertiefen. Dort stehen die Agenturvertreter den CHECKPOINT-Besuchern für persönliche Gespräche zur Verfügung. Sie stellen Absolventen ihre Arbeit an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft vor und zeigen Karrieremöglichkeiten auf. Jeder Teilnehmer kann seinen Lebenslauf beim CV-Check prüfen lassen. Eingereichte CVs werden an die Agenturpartner des Events weitergeleitet. Nachmittags können sich die Teilnehmer zu verschiedenen Workshops anmelden, an einem Rundgang von Lobbycontrol, einer Führung durch Bundestag und Bundesrat oder einem Besuch der Tagesspiegel-Redaktion teilnehmen. Am Ende des Tages steht wie in jedem Jahr die Networking Night im Base_camp.

Kosten: 34,00€, Frühbuchertickets sind bereits ausverkauft.

Donnerstag, 18. Juni 2015

Rückblick DPRG Zukunftsforum

DPRG-Logo Wenn ich Veranstaltungen besuche, die den Begriff Zukunft im Namen führen, frage ich mich vorher immer, ob sie das zu recht tun. Nachher verneine ich das oft. Anders beim Zukunftsforum der Deutschen Public Relations Gesellschaft. Schon die Keynote von Prof. Dr. Christof Ehrhart von der Deutschen Post DHL schlug einige Pflöcke für die PR der Zukunft ein: Wir werden uns mit einer immer komplexeren, volatileren und krisenbehafteteren PR beschäftigen müssen, in der ein Mehr an Transparenz nur zu noch weniger Vertrauen führt. Die Dauerkrise wirft ihre Schatten voraus. Die One Voice Policy wird abgelöst von einer Many Voices, One Message Policy. Und die PR darf mit viel Empathie orchestrieren.
Das anschließende Panel zu Legitimität und Lobbying mit Ulrike Propach, Marco Althaus und Fredy Müller konzedierte klare Aufgaben für die Zukunft: Die Schaffung eines festen Berufsbildes für Lobbyisten, die Digitalisierung von Public Affairs und damit eine Veränderung der politischen Kultur (Transparenz!), Schaffung von Legitimität von Lobbyisten auch bei kritischen Stakeholdern, Einbeziehung aller Interessenvertreter in Regulierungsmaßnahmen, Erarbeitung eines professionellen Selbstverständnisses.
Den Abschluss am Vormittag einer ersten Panel-Runde machte Peter Höbel, Krisen-PR Urgestein der Branche. Seine These: Anstand von Managern wird in Krisen-Situationen immer wichtiger - gehört aber nicht zum Anforderungsprofil des Berufs.
Den Abschluss bildeten diverse parallele Panels am Nachmittag. Nachzulesen unter dem Hastag #zukufo auf Twitter.

Disclaimer: Als Bundesvorstandsmitglied und Pate zweier DPRG-Arbeitskreise habe ich am Inhaltskonzept einiger Programmpunkte mitgewirkt.

Freitag, 22. Mai 2015

DPRG Zukunftsforum, 12.06.2015, Gelsenkirchen

Die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) veranstaltet erstmals ein Zukunftsforum. Gastgeber ist die Westfälische Hochschule Gelsenkirchen mit Prof. Dr. Karl-Martin Obermeier und seinen PR-Studenten. Die Teilnehmer erwartet ein Programm, bei dem ich vor allem vier Themen empfehlen möchte:
  1. Wann ist Lobbying legitim mit Marco Althaus und Fredy Müller - Ich erhoffe mir dazu einen Beitrag, wie Lobbying verfasst sein muss, um eine breitere gesellschaftliche Legitimation zu erlangen
  2. Wie verändert CSR die PR? - ein Panel das sich um das Zusammenwachsen von CSR und PR kümmert und welche Herausforderungen CSR-Themen für die Kommunikation mit sich bringen
  3. Krisenkommunikation - Alte Ängste, neue Techniken - mit dem Krisen-PR Urgestein Peter Höbel
  4. „Wie lange halten Sie noch durch?“ - Eine Frage die sich PRler stellen und die sie gestellt bekommen. Kommunikation ist in vielen Studien unter den Top 3 der Berufe mit dem höchsten Stressfaktor
Kosten: 250,00€. Mitglieder von DPRG, BdP, GPRA, DIRK, VRdS, degepol, PRVA und pr suisse zahlen ermäßigt 150,00€; Studenten und Volontäre sogar nur 30,00€

Disclaimer: Als Bundesvorstandsmitglied und Pate zweier DPRG-Arbeitskreise habe ich am Inhaltskonzept einiger Programmpunkte mitgewirkt.

Montag, 11. Mai 2015

Was taugt das ZDF-Lobbyradar?

leuchtturm_2_22512Das ZDF und das Medieninnovationszentrum Babelsberg haben ein Lobbyradar gestartet. Das Projekt ist Open Source und wurde von OpenDataCity umgesetzt. Die Seite stellt Tausende von Verbindungen zwischen Unternehmen, Verbänden, Abgeordneten und Lobbyisten dar. Als Quellen werden im Wesentlichen die Veröffentlichungen des Deutschen Bundestages, des EU-Lobbyregisters und von Lobbypedia herangezogen. Dementsprechend (un-)vollständig sind die gepflegten Inhalte. Schön: Nutzer können Fehler oder ihnen bekannte Verbindungen an die Redaktion melden. Etwas schade ist die Darstellung der Netzwerke im Browser. Der Nutzer sieht immer das komplette Netzwerk und den von ihm gesuchten Namen im Vordergrund. Das behindert die Übersichtlichkeit.
Innovativ soll das Browser Plugin sein. Wenn man beispielsweise auf der Seite einer Lobbyagentur surft, sollen deren Verbindungen deutlich gemacht werden. Bei mir ließ sich im Firefox alles sauber installieren. Der Test auf diversen Seiten brachte aber nur Ergebnisse, wenn die gesuchten Namen exakt so in der Datenbank vertreten waren. Exxon beispielsweise wurde nicht markiert, weil das Unternehmen in Deutschland als Exxon Mobil Central Europe Holding GmbH firmiert. Per Zufall kam beim Verfassen dieses Beitrags heraus, dass mein Name mit der Deutschen Public Relations Gesellschaft assoziiert ist. Hier hat das Add On prima funktioniert.

Freitag, 17. April 2015

Transparency gibt deutschem Lobbying schlechte Noten

ReichstagskuppelUnabhängig davon, ob man der Meinung ist, Lobbying sei ausreichend reguliert oder vollkommen unreguliert, liegt Deutschland in einem EU-weiten Vergleich von Transparency auf einem der letzten Plätze. Das ist kein Ruhmesblatt - weder für uns Interessenvertreter noch für diejenigen, die dem Lobbying politische Rahmenbedingungen setzen.
Laut dem Bericht fehlt es an klaren Regeln für den Zugang zu Entscheidern, an Transparenz und an einer wirkungsvollen Kontrolle der Integrität von Interessenvertretung. An der Spitze der Auswertung von Transparency liegen vor allem die neuen EU-Mitglieder wie Slowenien. Sie bekamen nämlich vor ihrem Beitritt ein Regelkorsett für Lobbying verordnet, das für die Altmitglieder wie Deutschland nicht gilt. Hier sind die Nationalstaaten noch souverän in ihren Entscheidungen. Insgesamt erhielten 7 von 19 untersuchten Ländern und EU-Institutionen gute Noten. Deutschland liegt im Ranking noch hinter dem von Korruption gebeutelten Bulgarien. Transparency kritisiert für Deutschland explizit die unzureichende Selbstregulierung der Interessenvertreter. Damit ist die Aufgabe für die Verbände klar.
Als Schlussfolgerung aus der Untersuchung fordert TI ein verbindliches Lobbyregister, den legislativen Fußabdruck und effektive Karenzzeitregelungen.

Donnerstag, 16. April 2015

Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Bürgerjournalismus

AgenturEliot Higgins, Gründer des Recherchenetzwerks Bellingcat hat den Sonderpreis des Hanns-Joachim-Friedrich-Preises gewonnen. Damit erhält die Auszeichnung eine Persönlichkeit, die eigentlich ein normaler Bürger ist. Higgins hatte vom Sofa seiner Wohnung mittels Geodaten wichtige Erkenntnisse zu den Kriegen in Syrien und der Ukraine geliefert. Nahezu alle deutschen wie internationalen Qualitätsmedien griffen seine Ergebnisse auf und beeinflussten damit auch politische Entwicklungen und Entscheidungen.
So hatte Higgins durch die Analyse von öffentlich zugänglichen Wetterdaten oder Google Satellitenbildern bewiesen, dass die syrische Armee Streubomben und verbotene Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung verwendet hatte. Außerdem konnte er die Rolle eines russischen Buk-Raketensystems beim Abschuss des malaysischen Fluges MH17 belegen.
Vermutlich verfügt auch eine Reihe von Geheimdiensten über diese Erkenntnisse. Oftmals werden diese jedoch aufgrund politischer oder juristischer Erwägungen nicht veröffentlicht. Recherchenetzwerke wie Bellingcat müssen sich hier nicht beschränken und können Transparenz im Sinne einer fairen öffentlichen Meinungsbildung herstellen. Speziell im Fall der Ukraine wird damit auch ein Gegengewicht gegen von Konfliktparteien bezahlte Trolle geschaffen, die ein Interesse daran haben, die Wahrheit zu verschleiern oder gar zu verfälschen. Der Einfluss und die Bedeutung der Arbeit von Menschen und Netzwerken wie dem von Eliott Higgins kann vor diesem Hintergrund nicht hoch genug bewertet werden.

Montag, 13. April 2015

Zahlen der Woche: Einflussfaktoren auf die Unternehmensreputation

66% Qualität von Produkten und Service
57% wirtschaftlicher Erfolg
50% Geschäftsfeld
49% CEO Reputation
49% Marketing- und Kommunikationsaktivitäten
48% Innovationskraft
45% Tenor der Medienberichterstattung
42% Ansehen unter den Mitarbeitern
40% CR-Aktivitäten
39% Preise und Auszeichnungen
35% Beziehungen zu Politik und Entscheidern
33% Land des Firmensitzes
32% Tenor in Social Media

Quelle: Studie von Weber Shandwick und KRC Research unter 1.700 Managern in 19 Ländern.

Zahlen der Woche: Was starke CEOs ausmacht

88% genießen das Vertrauen ihrer Manager, dass sie das Richtige tun
85% der starken CEOs legen Wert auf ethische Unternehmensführung
78% wissen, was in ihrem Unternehmen vorgeht
72% der starken CEOs werden für immun gegen die Verwicklung in Skandale gehalten
50% sprechen über die Jahre lieber mit den Medien

Quelle: Studie von Weber Shandwick und KRC Research unter 1.700 Managern in 19 Ländern.

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